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Olga Lomenko und Dimitrij SacharowErogene Klimazonen

ein aufklärendes Musikkabarett
in der Wiederaufnahme mit neuen Fakten

mit Olga Lomenko und
Dimitrij Sacharow

Regie: Volker Insel

Der Hauptpreis des Münchener Tollwood-Festivals und der Cabinet-Preis der Leipziger Lachmesse sind die glanzvollen Trophäen, die Olga Lomenko und Dimitrij Sacharow bereits besitzen und staubfrei in der Glasvitrine aufbewahren.

Außerdem sind Olga und Dimitrij das, was man als beispielloses Beispiel für gelungene Integration bezeichnen kann: Ihre frischen deutschen Personalausweise zeigen sie - oft, gerne und höchst emotional - auch unaufgefordert vor.

Seit über 10 Jahren sind Olga Lomenko und Dimitrij Sacharow ein glückliches Bühnenpaar. Privat teilen sie ihr Glück mit anderen Partnern (über die umfangreichen Details ihrer Beziehungen verfügt die Boulevard-Literatur).

Mit ihrem Kabarettprogramm „Erogene Klimazonen“ gastieren Olga Lomenko und Dimitrij Sacharow in vielen Regionen Deutschlands und hinterlassen stets eine lodernde Publikumslandschaft. Und dabei sind sie bloß moderne Aufklärer (bitte nicht mit Gottsched, Goethe und den 68ern verwechseln): Ist das Liebesglück wetter-, temperament- und nationalitätsabhängig? Welchen Einfluss haben die Märchen der Gebrüder Grimm auf das Sexualverhalten der Deutschen? Wie sieht es im Orient aus: Sind die Frauen dort mit ihren 1000 Nächten und einer Nacht zusätzlich glücklicher als der weibliche Rest der Welt? Sind die Italiener wirklich die besten Flirtmeister und die Franzosen – die perversesten Charmeure? Wovon träumen das russische und das amerikanische Volk: Was die Erotik betrifft, hat eine andere Nation sich längst als Weltmacht Nr. 1 positioniert…Welche Phantasien haben Japanerinnen im Land der stets aufgehenden Sonne: Träumen sie von dunkler Nacht und hellem Mond und dem, was dazu gehört? Haben die Spanierinnen überhaupt noch Träume oder sind sie restlos glücklich mit ihren Don Juans en masse?

Olga Lomenko und Dimitrij Sacharow werden Antworten auf diese komplexen Fragen geben, fachgerechte Einblicke in die globalen Phantasien unter den Bettdecken gewähren…  Und alles - im Sinne der Nächstenliebe…

23.09.2009 Juninpost / Schweinfurt
Dampfwalze exotischer Leidenschaften
Olga Lomenko, und Dimitrij Anatoljewitsch mit „Erogene Klimazonen“

(ue)Karneval in Venedig. Internationales Flair, erotisches Knistern. Die Dame sitzt in der Gondel, lupft ihre Maske, ein geheimnisvoller Unbekannter reicht ihr aus einer Luxuslimousine einen Strauß roter Rosen. An jeder Brücke singt ein Zigeunerchor, ein U-Boot taucht auf und überschüttet die Angebetete ebenfalls mit Rosen. Aus welchem Land kommt der Verehrer?

 Ganz klar: so leidenschaftlich, so maßlos kann nur ein Russe lieben - ein echter Kerl, der seiner Frau in den Pelzmantel hilft, damit er nicht selbst den Schnee schippen muss, und ihr die Hand küsst, damit sie seine Wodkafahne nicht bemerkt. Behaupten zwei, die es eigentlich wissen müssten: Rund um die Welt von Liebe, Sex und Zärtlichkeit führte das „aufklärende Musikkabarett“ von Olga Lomenko und Dimitrij Sacharow in der Kulturwerkstatt.

Zum „IV. Internationalen Kongress der Sexualkunde“ haben die kabarettistischen Ostgewächse mit deutschem Pass geladen: Die kosakenblütige Olga Lomenko, eigentlich aus Saporoschje in der Ukraine stammend, und Dimitrij Anatoljewitsch, in Wirklichkeit ein Berliner Event-Manager. Der leidet an diesem Abend unter der Knute des russischen Matriarchats – immerhin 46 Prozent der Spitzenpositionen Russlands werden von Frauen gestellt.

Assistent Dimitrij lebt dafür am Rand der Bühne, als Karikatur seiner selbst, eine tragische russische Beziehung zur Hochtechnologie aus. Es hilft kein Schimpfen und kein Klagen der Referentin: In Nu sind ihre „erläuternden“ Videos in Bändersalat verwandelt – ein willkommener Vorwand für die beiden Künstler, mit Tanz- und Musikeinlagen die internationalen Bettdecken zu lüpfen.

Mit viel Ironie und Klischee, aber auch Fantasie und Feingefühl spürt das Duo den unterschiedlichen Lebens- wie Liebeswelten nach: Amerikanischer Bigotterie, spanischen Muttersöhnchen, orientalischen Schleiertänzen oder japanischen Schulmädchenschlüpfer- Schnüfflern – „Samurai“, die den Müll runterbringen und ihre Libido mit „Reiki“-Übungen bändigen müssen, damit die dünnen Wände nicht zusammenbrechen.

Der Franzose ein Genießer, der einer Dame in der Gondel zusammen mit dem trittbrettfahrenden italienischen Gondoliere Avancen macht. Oder der Deutsche: Nach viel Besserwisserei von ihm geht es zwei Stunden schweigend über die Kanäle - am Ende werden die Rechnungen getrennt bezahlt.

Während der deutsche Mann im Kopf die Beziehung bereits bis „Punkt 21“ durchgegangen ist, endet die, behauptet Lomenko, oft schon bei Punkt 1: dem gefürchteten Korb, von Dimitrij Anatoljewitsch auf die Folie des Overhead-Projektors gemalt. Die Deutschen sind in der Liebe eben am liebsten unglücklich, aber auch die Erfinder von „blauer Blume“ und Romantik: Mit den zarten Klängen von „Lass es Liebe sein“ sorgt die Sängerin vom Dnjepr für Gänsehautstimmung.

Dieser Humor-Import „pa-russkij“ wirkt vertraut und fremdartig zugleich, selbstironisch, lebensklug und eigentlich ganz züchtig. Es dauert eine Weile, bis die Dampfwalze exotisch-erotischer Leidenschaften in Fahrt kommt. Aber die polyglotten Musikeinlagen, auf Arabisch, Englisch, Deutsch, Russisch, Spanisch, sind brillant wie das wilde Feuerwerk, dass die beiden postsowjetischen Sexualforscher bei der „Wieder-Verheiratung“ eines Ehepaars aus dem Publikum zünden: Soviel Temperament verdient Kompliment – ein pikantes, leckeres Kaviarhäppchen des Kabaretts